Für unsere Aponi, den SCHMETTERLING

 

Flügelt ein kleiner blauer Falter vom Wind geweht,

ein perlmutterner Schauer,

Glitzert, flimmert, vergeht.

 

So mit Augenblicksblinken,

so im Vorüberwehn.

Sah ich das Glück mir winken,

Glitzern, flimmern, vergehn.

 

Herrmann Hesse

 

 

Mit diesem Beitrag wollen wir das Erlebte verarbeiten und begreifen können.

Und wir wissen auch, dass nach dem Lesen es nicht nur positive Reaktionen geben wird !

Aber das ist es uns auf jeden Fall wert, denn wir sind es unserer Maus schuldig und vielleicht rüttelt es so manchen wach und es kommt zu einem Umdenken…

Denn die Tiere können sich nicht wehren ( noch nicht ) und deshalb stehen wir, die Menschen, in der Verantwortung. Und davor sollte sich keiner drücken !

 

Damals, im Mai 2007 zog unser Welpe ‘ RT Flirtin’with Charm ‘ als dritte Hündin bei uns ein. Wir nannten sie APONI, unsere Tochter suchte den Namen aus. Es ist ein indianischer Name und bedeutet Schmetterling. Unsere zwei anderen Aussiemädels schlossen gleich Freundschaft mit dem Wurm, das war ja auch nicht schwierig und alle waren zufrieden und glücklich.

Aponi machte in ihrem Leben ihrem Namen alle Ehre !

Sie wuchs und gedeihte, aber sie war eben immer wie ein Schmetterling, mal hier, mal da, flatterig, immer lustig und kam nie richtig zur Ruhe.

Sie war eben anders als alle anderen…

Irgendwann kam die Zeit sie auch mal bei einer Conformation-Show des ASCD vorzustellen, worüber die Züchterin erfreut war und wir selbst wollten auch erfahren was die Richter über unsere Hündin zu sagen hatten. Wir stellten ja auch schon unsere zweite Hündin erfolgreich aus. Tja, wenn es Platzierungen für den super freundlichsten und lustigsten Hunde geben würde, hätten wir mit Aponi immer die ersten Plätze belegt. Der Schmetterling hopste, grinste und schleckte den Richter ab, legte sich hin etc., nun ja damit war alles klar… für die Show war sie nicht so geeignet. Ok, für uns kein Problem. Es gab tröstende Worte, auch vom Züchter und das war’s.

Schnell stellten wir fest das Aponi ganz andere Stärken hatte, sie war intelligent und somit konnte Frank mit ihr für den Obedience-Sport trainieren. Erfahrungen und gute Platzierungen hatte er ja schon mit unserer ersten Hündin. Durch Aponi’s flatteriges Wesen war das Training nicht einfach, aber sie begriff sehr schnell und es machte Spaß den Beiden beim Training zuzusehen und vor allem mit welcher Freude sie dabei war. Beide schafften dann auch im Juni 2009 die Begleithundeprüfung. Damit war der Grundstein gelegt. Aponi hochintelligent und motiviert war bereit für den Obedience-Sport und Frank war so stolz nun zwei Hunde für diesen Sport zu haben.

Da wir aber nun nicht mehr an den Conformation-Shows teilnahmen, sank auch das Interesse des Züchters an ihrem ehemaligen Welpen. Das hat uns schon sehr verwundert, wir dachten uns aber noch weiter nichts dabei. Immerhin machten wir ja noch den Obedience-Sport.

Dann kam der 10. November 2009 !

Es war 2.55 Uhr, dieses Datum werden wir wohl nie vergessen …

Wir schreckten aus unserem Bett hoch, denn es krachte und knallte fürchterlich und es gab klappernde Geräusche, Licht an und dann das entsetzliche Bild !!!

Aponi lag auf der Seite, zuckte, ruderte wie wild, klapperte mit den Zähnen, krampfte am ganzen Körper, der Speichel und Schaum floß aus dem Mund, die Augen und Pupillen riesengroß….. ( Wir werden hier nicht genauer auf das gesamte Bild eingehen um die Würde unserer Aponi zu erhalten. )

Als ich sie so sah ging es mir durch und durch und mir war einfach nur schlecht bei dem Gedanken - das ist ein epileptischer Anfall - ! Oh Gott nein, so etwas bitte nicht, so etwas muss man nicht haben. Wir waren völlig durcheinander. Wir schützten sie so gut wir konnten. Nach dem Anfall rannte sie völlig orientierungslos umher, rannte überall gegen, war völlig von der Rolle. Frank ging mit ihr dann raus, sie hatte großen Durst, aber sie wusste nicht mehr wo der Wassernapf stand , sie lief und lief und lief. Alles war für sie neu !!!!

Es war furchtbar und es kam einfach so im Schlaf…

Irgendwann kam sie etwas zur Ruhe und legte sich hin. Unsere anderen beiden Mädels waren ebenfalls ganz durcheinander und konnten diesen Vorfall überhaupt nicht einordnen.

Wir sahen uns fassungslos an und weinten, denn uns war nun klar, unsere Maus hat EPILEPSIE.

Was wird jetzt werden ? Was sollen wir tun ? Wie geht es weiter ?

Es gab einfach nur noch Fragen über Fragen und keine Antworten …

Jetzt begann die Odyssee mit Tierarzt, Internetrecherchen ect.

Ach ja, da gab es ja noch den Züchter, … der ihnen auch später mit Rat und Tat zur Seite stehen wird…! Für uns war es eine Selbstverständlichkeit den Züchter darüber zu informieren. Hm, außer ein es tut mir leid, bei uns gibt es keine Epilepsie, kam da nichts. Es könnte ja schließlich auch eine andere Krankheit vorliegen. Das war’s !

Aponi wurde dann auf ihr Medikament ‘eingestellt’, was auch nicht einfach war. Denn trotz regelmäßiger Einnahme bekam sie im Dezember 2009 auch ihre Anfälle. Zu Weihnachten kam dann ein obligatorischer ,,Weihnachtsanruf  ‘’ vom Mann der Züchterin, wie es denn so ginge und so… Frank erzählte ihm dann von den letzten Wochen und wie es uns allen so geht, aber da meinte er: ,, …wir sollten Aponi doch einschläfern lassen und könnten dann einen neuen Welpen zum halben Preis bekommen…’’ OHNE KOMMENTAR - unsererseits !

Im Januar und Februar 2010 weitere Anfälle. Immer zu unterschiedlichen Zeiten, mal waren es zwei, dann wieder bis zu vier hintereinander. Über eine gute Freundin und Eigeninitiativen erfuhren wir dann von der Epilepsiestudie in München. Für uns war klar das wir da mitmachen, schließlich wollten wir alle Möglichkeiten ausschöpfen. Es war ja doch immer noch ein Fünkchen Hoffnung, vielleicht war es ja eine Erkrankung die operabel war und Aponi könnte wieder gesund werden. Im März 2010 ist Frank mit der Kleinen dann nach München gefahren um die notwendigen Untersuchungen ( u.a. EEG, Gehirnwasser-, Kernspintuntersuchung…) durchführen zu lassen. Das Ergebnis: alle Befunde unauffällig !

Aponi hat eine genetisch bedingte Epilepsie, es gibt keine Heilung !

Es erfolgte wieder eine Medikamenteneinstellung, da der Wirkspiegel immer zu niedrig war.

Die Züchterin selbst hatte sich bis dato nicht mehr um Aponi’s Befinden  erkundigt. Nach der Untersuchung in München teilte ich ihr die Befunde per Mail mit und schrieb ihr, das wir einfach auch menschlich von ihr enttäuscht sind,  über soviel Desinterresse als Züchterin. Wir hielten sie an ( mit Rücksprache der Klinik ), dass sie doch bitte alle Welpenbesitzer und Co-Partner  über den Epilepsiefall informieren möchte und die Geschwister und Halbgeschwister aus der Zucht nehmen sollte, da es tickende Zeitbomben sind. Als Mitglied im ASCD gaben wir die entsprechenden Informationen auch dorthin weiter.

Aber, wir werden das Gefühl nicht los, dass man offene Türen einrennt und eigentlich sich keiner zu dem Epilepsie-Problem bekennen möchte.

Wir hatten nun einen Epilepsie-Hund und krempelten nun unser gesamtes Leben komplett um. Für uns war klar, Aponi können wir nicht mehr unbeaufsichtigt lassen, schließlich haben wir noch zwei weitere Mädels. Und keiner kann sagen was passiert.

All unsere Pläne und Vorstellungen, sei beruflich oder privat, konnten wir nicht mehr umsetzen. ALLES musste sich ändern, wir passten unser Leben unserem Schmetterling an und wir haben es gern getan, schließlich war sie ein Mitglied unserer Familie. Wir gingen daher alle bis an unsere Grenzen. Alles was man tat durchzog sich mit dem Gedanken, wann gibt es den nächsten Anfall, vielleicht hält sie diesmal länger durch, was ist wenn unsere anderen Mädels durchdrehen ?????

Und dann kamen sie immer wieder, diese schrecklichen Anfälle und wurden immer heftiger. Immer wieder neue Dosierungen, Wirkspiegelkontrollen ect., nie war der Wirkspiegel hoch genug. Es schlug einfach nicht an… und immer und immer wieder… so zog es sich durchs Jahr.

Mittlerweile hatte sich unsere Aponi schon sehr verändert, durch die ganzen Anfälle wurde sie immer orientierungsloser. Sie hatte keine Freude mehr am Spielen mit ihren Kameraden, alles ging nur noch für kurze Zeit, dann sonderte sie sich immer mehr ab. Auch unsere beiden anderen Mädels konnten mit ihr nichts mehr anfangen. Die letzten Anfälle waren so schlimm, dass wir sie kaum noch bändigen bzw. halten konnten, sie rannte und sprang wie wild und voller Wucht überall dagegen. Eine unserer Hündin wurde total aggressiv ihr gegenüber, die andere Hündin zog sich total verstört zurück… Es ging überhaupt nichts mehr… Wir sind alle an unsere physischen und psychischen Grenzen gestoßen.

,, Diese Krankheit ist die Hölle ‘’, um es mal mit den Worten einer ehemals Betroffenen zu beschreiben. Dem können wir uns nur anschließen.

Durch unseren Tierarzt wurde bestätigt, dass Aponi therapieresistent ist, denn bei dieser hohen Medikamentengabe müsste sie völlig platt in der Ecke liegen, aber genau das Gegenteil trat ein. Nach jedem Anfall ( jeder Anfall ist auch die Vorstufe für einen erneuten Anfall ) wurde sie immer flatteriger und überdrehter. Sie kam einfach nicht mehr zur Ruhe. Sie war immer nur am laufen und laufen und laufen…

Am 17. Dezember 2010 ließen wir Aponi gehen,

                                                                          denn Schmetterlinge wollen fliegen…

 

Unser Fazit:

Nicht jeder Züchter hält was er verspricht !

 

Wir wurden vom Verhalten der Züchterin von Aponi schwer enttäuscht.

Es gab keine moralische Unterstützung und kein Interesse an Aponi’s Zustand.

Und wir mussten feststellen, nur wenn man erfolgreich ist, vor allem bei den Show’s dann gehört man dazu, ansonsten ist man abgeschrieben und wenn dann noch EPILEPSIE dazu kommt…?! 

Aber immerhin wurde man auf Platz 1 als Züchter und Aussteller vom Verein gewählt und damit kann man sich nun profilieren.

Da lässt man sich nicht sein Nest mit Epilepsie beschmutzen.

Wenn wir so etwas dann lesen, dann kann einem schon übel werden…

 

Übrigens,

am 7.Januar 2010 ( 3 Wochen später ) kam eine Email der Züchterin von Aponi, indem sie ihr Bedauern bekundet.

Auf die Zitierung der Mail haben wir hier bewusst verzichtet, wir konnten einfach nur noch kotzen , Entschuldigung .


Wir alle werden jetzt erst einmal versuchen wieder zur Ruhe zu kommen,

auch jetzt ist wieder Umdenken angesagt, denn es ist alles anders… es fehlt jemand.

Eines steht fest:  Wir werden nicht züchten !

 

Hier noch ein Aufruf an alle Betroffenen:

Wenn noch nicht geschehen, setzen Sie sich mit der Tierklinik in München in Verbindung zwecks Proben. Jede Probe wird gebraucht! Bei Fragen stehen wir auch gern zur Verfügung.

 

Und was uns nun noch sehr am Herzen liegt: 

Wir möchten uns noch mal auf diesem Wege bei ALLEN bedanken, die uns in der zurückliegenden Zeit unterstützt haben,

die immer ein offenes Ohr für uns hatten,

die uns mit Informationen voll gestopft haben,

die mit uns geweint haben,

die Tag und Nacht für uns da waren,

die mit uns trauern und tröstende Worte finden.    DANKE

 

Ein Dankeschön auch an Betroffene,

die sich bei uns gemeldet haben und uns bestärkten diesen Bericht zu schreiben.

 

Ein Zitat von Leonardo da Vinci:

 

,,Es wird die Zeit kommen,

  da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird,

  wie das Verbrechen am Menschen.’’

 

Mit stillem Gruß

 

Frank & Annett Lehmann

 

Schmetterlinge

Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken.

Der wird im Mondschein, ungestört von Furcht, die Nacht entdecken.

… der wird zur Pflanze, wenn er will. Zum Tier, zum Narr, zum Weisen.

Und kann in einer Stunde durch das ganze Weltall reisen.

… der weiß, dass er nichts weiß, wie alle anderen auch nichts wissen.

Nur weiß er, was die anderen, und auch er noch lernen müssen.

… wer in sich fremde Ufer spürt und Mut hat sich zu recken;

der wird allmählich, ungestört von Furcht, sich selbst entdecken.

Abwärts zu den Gipfeln seiner selbst blickt er hinauf.

Den Kampf mit seiner Unterwelt nimmt er gelassen auf.

… wer mit sich selbst in Frieden lebt, der wird genauso sterben:

                                                   und ist selbst dann lebendiger als alle seine Erben.

                                                   ( Novalis, 1772-1802 )